Segelkunstflug im DMFV weiterhin im Aufwind

Am 06. und 07. Mai führte uns der erste Regionalwettbewerb im DMFV-Referat Akro-Segelflug zum MSV Melle in den Norden Deutschlands.

So viele Teilnehmer wie zu dieser Auftaktveranstaltung gab es noch nie seit Bestehen der Regios. 47 gemeldete Piloten, die teilweise mehrere hundert Kilometer Anfahrtsweg auf sich nahmen, um alte und neue Mitglieder der Akrofamilie zu treffen, wollten sich in den drei Klassen Rookies, Advanced und Unlimited miteinander messen.

 

Natürlich hatten wir uns über diesen hohen Zuspruch sehr gefreut, der mehr das Niveau einer Deutschen Meisterschaft als das eines Regios hatte. So eine hohe Anzahl von Teilnehmern stellte uns allerdings auch vor einige Herausforderungen. Es kann viel geplant und vorbereitet werden, um einen möglichst reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, trotzdem gibt es einiges, auf das man keinen Einfluss hat, wie zum Beispiel das Wetter. Hier ist dann die Flexibilität aller Beteiligten gefragt.

So begann der erste Wettbewerbstag nicht wie gehofft mit Fliegen, dies verhinderte für einige Zeit eine tief hängende Wolkendecke, sondern mit Theorie. Oberpunktrichter Andreas Buch erläuterte die neuen Programme 2017/18 und erklärte den Rookies, worauf es beim Segelkunstflug ankommt, um möglichst vielen Punkte zu bekommen.

Die vier Newcomer waren dann auch die ersten, die fliegen durften. Das Teilnehmerfeld lag dicht an dicht, es wurde nichts verschenkt und um jede Platzierung gekämpft. Am Ende siegte dann Niklas Keck mit 3982 Punkten. Viel wichtiger als die Platzierungen sind aber die Erfahrungen, die man nach einem solchen Wettbewerb mit nach Hause nimmt.

Die Advanced (früher Limited), die mittlerweile ein enormes fliegerisches Niveau aufzeigt, stellte mit 23 Piloten das stärkste Teilnehmerfeld. Die kleinste Ungenauigkeit führt bereits zu Punktabzug und somit zur entsprechenden Platzierung. Dass trotzdem alles fair und kollegial zuging, zeigte sich auch dadurch, dass sich die Piloten gegenseitig unterstützten, egal ob als Ansager, Klinker oder einfach als psychologischer Betreuer. Und nicht nur innerhalb sondern auch Klassen übergreifend funktionierte das reibungslos. Ich habe selten eine Wettbewerbsparte erlebt, bei der das Miteinander so groß geschrieben wird, wie beim Akro-Segelflug. Es gibt auch einige Vater-Sohn-Gespanne und es ist keine Seltenheit, dass sich zwei Piloten ein Modell teilen. Man spricht also mit Recht von der großen Akrofamilie.

Und auch die Unlimited war mit 14 Piloten stark vertreten. Es gab hier den ein oder anderen Aufsteiger, aus der Advanced, der nun in der Königsklasse Fuß fassen wollte, was auch hervorragend gelang. So flog beispielsweise Peter Albert auf Anhieb auf einen Platz im Mittelfeld. Da ist zukünftig wohl noch einiges zu erwarten. Auch hier herrschte eine enorme Leistungsdichte. Es war schon ein optisches Highlight, dem ein oder anderen zuzusehen, wie er das Kunstflugprogramm zelebrierte.

Am Abend hatten wir trotz anspruchsvollen Wetterbedingungen drei Rookiedurchgänge, zwei Be- und eine Unbekannte in der Advanced und eine Be- und eine Unbekannte in der Unlimeted im Kasten. Das war mehr als wir uns am Morgen erhofft hatten und wir konnten entspannt den Abend bei Livemusik und Gegrilltem ausklingen lassen.

Sonntags morgens beim Briefing leider das gleiche Spiel wie bereits am Vortag. Tief hängende Wolken verhinderten einen pünktlichen Start des Wettbewerbs.

Trotzdem schafften wir es bis zur Siegerehrung am Nachmittag, in den Klassen Advanced und Unlimited vier und bei den Rookies sogar fünf Durchgänge zu fliegen. Das entspricht ca. 180 Starts, die an diesem Wochenende durchgeführt wurden und die bis auf einen Servodefekt alle schadensfrei blieben. Hieran erkennt man deutlich, dass die Piloten ihr Handwerk verstehen und in der Lage sind, ihre Modelle sicher durch sämtliche Manöver zu steuern.

Einen kleinen Wehrmutstropfen gab es aber dann doch noch für die Fans der Kür, die ja neben der Bekannten und Unbekannten ebenfall einen wichtigen Bestandteil des Wettbewerbs darstellt. Es ist schließlich der Part des Wettbewerbes mit Gänsehautfaktor. Der hohen Teilnehmerzahl und dem bereits beschriebenen vorherrschenden Wetter geschuldet, konnte diese aus Zeitgründen leider nicht durchgeführt werden. Ich hoffe, dass diese bei den nächsten Wettbewerben geflogen werden kann.

So eine Veranstaltung gelingt nur, wenn alle Rädchen ineinander greifen. Das gilt für die Piloten, die Punktrichter um Andreas Buch, ebenso, wie für die Schleppergilde um Ulf Reichmann. Nicht zu vergessen unser frisch gebackener Wettbewerbsleiter Dominik Braun, der souverän durch seinen ersten Wettbewerb führte. Christoph und ich brauchten die ganze Sache eigentlich nur noch am Laufen zu halten. Und ganz wichtig, die tolle Gastfreundschaft der Mitglieder des MSV Melle. Egal ob wir ein Verlängerungskabel oder eine Nagelschere benötigten, es wurde schnell und unbürokratisch geholfen. Perfektes Catering, Vollverpflegung am Platz, alles prima. Vom liebevoll angerichteten Frühstückbuffet mit hartgekochten Eiern, selbst gebackenem Kuchen und sonstigen Extras, will ich hier erst gar nicht schreiben. Eine solche Gastfreundschaft ist nicht selbstverständlich. Ich denke nach Melle kommt der Akrozirkus bestimmt wieder einmal.

Bericht: Michael Müsel

Fotos: Annika Reichmann, K.-P. Müller, Christoph Fackeldey