Vom 08. bis zum 10. September war es endlich so weit. Die Akrosegelflieger aus Deutschland, Österreich und der Schweiz trafen sich zum Höhepunkt der Saison, zur 20. Internationalen Deutschen Meisterschaft des DMFV in Bad Wörishofen, im Süden unserer Republik.

Welchen Stellenwert diese Veranstaltung in der Szene genießt, zeigte nicht nur die angemeldete Teilnehmerzahl von fast 60 Piloten aus drei Ländern oder die Zuschauer, die für diese DM sogar von der Ostsee und aus den Niederlanden anreisten, sondern auch die riesige Wohnwagen- und Zeltstadt, die mich bei meiner Ankunft am Donnerstag empfing. Viele waren bereits schon seit Dienstag da und nutzten die Zeit, um sich an die Platzverhältnisse zu gewöhnen und zu trainieren.

Die Stimmung war gut, das Wetter eher wechselhaft, wir können planen, vorbereiten, Alternativen erstellen, aber auf die meteorologischen Gegebenheiten haben wir keinen Einfluss. Dennoch machten wir das Beste daraus. Die Devise war, so viele Durchgänge als möglich zu schaffen.

Da die Vorbereitungen planmäßig abgeschlossen waren, konnten Christoph Fackeldey zusammen mit Christian Horn und Josef Ritter vom MFC Bad Wörishofen am Freitag pünktlich um 8:30h die Piloten zum ersten Briefing begrüßen. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die Mitglieder des austragenden Vereins, die lt. Aussage von Christian mit bis zu 70 Personen hinter und vor den Kulissen dafür sorgten, dass es an nichts mangelte und eine Infrastruktur zur Verfügung stellten, die auf Modellfugplätzen in dieser schon fast erschreckend perfekten Form, eher selten anzutreffen ist.

Letztlich starteten 53 Piloten in den Wettbewerb, 26 in der Klasse Advanced und 27 in der Unlimited. Dieses doch eher ungewöhnliche Verhältnis, die Klasse Advanced stellte bisher immer die stärkste Gruppe dar, ist ein Hinweis, welches Niveau bei dieser Deutschen Meisterschaft zu erwarten war.

Da wir auf Grund der Wetterprognosen keine Zeit verlieren wollten, ging der erste Starter bereits um 8:50h in die Luft.

Dank der straffen Organisation und der Disziplin aller, schafften wir es, bereits am Freitag in jeder Klasse zwei Bekannte und eine Unbekannte zu fliegen. Die hatten wir auf alle Fälle schon im Kasten, egal was da noch von oben kommen sollte. Und da kam noch so einiges… Das bedeutete, es erfolgten allein an diesem Wettbewerbstag ca. 160 Starts, die alle reibungslos und stressfrei verliefen. Vielen Dank an Ulf Reichmann und seine Schleppergilde, die mal wieder gezeigt hat, was das Maß der Dinge im Akro-F-Schlepp ist. Da ist ein Team zusammengewachsen, welches im Hintergrund so harmonisch zusammen arbeitet, dass wir Segelpiloten genau wissen, dass wir sicher und entspannt oben in der Kunstflugbox ankommen werden. Dabei ist es zweitrangig, ob es sich um relativ neue Piloten oder um so „alte Hasen“, wie Günter Kiewel handelt, der schon seit Anfang an (1997) dabei ist und die Akromodelle auf den Wettbewerben auf Höhe schleppt.

Wenn wir schon bei den Zahlen sind, es wurden am ersten Tag fasst 10.000(!) Einzelwertungen durch die 5 Punktrichter unter der Leitung von Andreas Buch verteilt. Das ist schon ein harter Job. Jeden Flug und jede Figur muss exakt beobachtet und dann dementsprechend bewertet werden. Geht man mal von einer durchschnittlichen Programmdauer von ca. 90 bis 120 Sekunden aus, teilt diese Zeit durch ca. zehn zu bewertende Flugfiguren, dann kann man sich in etwa vorstellen, was für einen Hochleistungsjob die Fünf da machten. Ingolf Spende verbrachte sogar seinen Geburtstag auf dem Punktrichterstuhl.

Klar, dass sich diese Jungs auch ihre Pause verdient haben. Diese wurde von Gernot Bruckmann genutzt, der uns am Erstflug seiner nagelneuen PC 21 teilhaben ließ.

Segelkunstflugtechnisch wurde an diesem ersten Wettbewerbstag einiges geboten. Es geht nicht mehr darum, wer die Figuren erkennbar zeigt, sondern es gewinnt der, der die kleinsten und wenigsten Fehler macht. Und das sind bei Vielen verdammt wenige. Dementsprechend eng, lag auch das Teilnehmerfeld in beiden Klassen zusammen.

Ungewöhnlich war auch, dass sich viele Zuschauer auf dem Modellflugplatz eingetroffen haben, um dem Spektakel beizuwohnen. Ich behaupte sogar, dass etliche Vereine stolz wären, eine solche Zuschauerkulisse an ihren Flugtagen begrüßen zu können.

Leider hatten wir am ersten Wettbewerbstag einen Modellverlust zu beklagen. Heinz Eiling hatte gleich im ersten Durchgang einen Absturz, bei dem sein Solo Fox so stark beschädigt wurde, dass er nicht mehr weiter fliegen konnte. Ich hoffe, er ist nächstes Jahr wieder dabei.

Der MFC Bad Wörishofen hatte weder Kosten noch Mühen gescheut und ein Zelt aufgebaut, welches auch auf dem Münchener Oktoberfest eine gute Figur gemacht hätte. Wir nutzten diese Kulisse, um am Abend unsere Sportler zu ehren. Zum einen wurden die Besten der drei Regionalwettbewerbe 2017 geehrt, zum anderen die DMFV-Ehrennadeln verliehen. Ferner erhielten die Punktrichter und Schlepp-Piloten als gesonderte Ehrung ihrer Leistung den „Akro-Award 2017“, was man bisher nur aus Hörfunk und Fernsehen kannte. Vielen Dank auch an die zahlreichen Firmen, die uns hierbei unterstützt haben. Zu dieser Veranstaltung lesen Sie bitte auch den gesonderten Bericht vom Wettbewerbsleiter Dominik Braun.

Da am Abend, trotz moderner Technik, noch keiner wissen konnte, wie sich das Wetter am Samstag entwickeln würde, trafen wir uns bereits um 8:00h, um zu entscheiden, wie es weiter gehen sollte.

Wir beschlossen, dass zuerst die Klasse Advanced ihre Kür fliegt. Auch hier haben die Bad Wörishofener neue Maßstäbe gesetzt. Die Kürmusik schallte aus 14 (!) Boxen, die den Modellflugplatz und den Zuschauerbereich in ein Open-Air-Gelände mit Konzertqualität verwandelte. Das war schon ein erhebendes Gefühl, vor dieser Soundkulisse seine Kür, natürlich mit Rauch, zelebrieren zu können. So ein Kürflug ist immer wieder ein Höhepunkt, sowohl für den Piloten selbst, wie auch für die Zuschauer, die die Leistungen mit kräftigem Beifall beklatschten.

Leider meinte es das Wetter nicht gut mit uns, die Regenfront näherte sich unaufhaltsam, was zur Folge hatte, dass aus Zeitgründen in der Klasse Unlimited eine Unbekannte und nicht die Kür geflogen wurde.

Keine zehn Minuten nach der letzten Landung kam er dann, der Regen. Selbst DMFV- Präsident Hans Schwägerl, der unsere Veranstaltung ebenfalls besuchte, konnte dies nicht verhindern. Es hieß abwarten. Um 16:00h wurde der Wettbewerbstag offiziell wegen der nicht fliegbaren Wetterbedingungen beendet.

Wer nun denkt, die Akrofamilie sitzt dann mit geneigtem Haupt auf dem Flugplatz und harrt der Dinge, die da kommen, der irrt. Viele nutzten die Gelegenheit für einen Besuch in den Thermen in Bad Wörishofen und am Abend wurde mir auch klar, warum das Festzelt so groß war, wie es war. Ganz einfach, damit Alle rein gingen! Nicht nur die Piloten mit ihren Familien, sondern auch viele Gäste aus den umliegenden Gemeinden trafen sich hier um der zwölfköpfigen Band, die kräftig einheizte, Tribut zu zollen. Es fand eine Party statt, wie ich sie auf einem Modellflugplatz bisher noch nicht erlebt habe. Ich will auch gar nicht wissen, wann hier die Letzten in ihr Bett bzw. in den Schlafsack gekrochen sind…

Und weil man in Bad Wörishofen immer noch einen drauf setzt, fand auch noch eine kleine Nachtflugshow statt. Bitte? Nein, es hatte natürlich nicht aufgehört zu regnen, aber irgendwie war das den teilnehmenden Piloten egal. Besonders beeindruckend war hier die Vorführung von Daniel Nagel aus Österreich, der seinen beleuchteten Heli eindrucksvoll in Szene setzte.

Sonntag Morgen 8:00 Uhr, Bad Wörishofen, Regen.

Sonntag Morgen, 9:00 Uhr, Bad Wörishofen, Regen.

Es wollte einfach nicht aufhören und laut Wetterradar war keine Besserung in Sicht.

Das hieß, es blieb uns nichts anderes übrig, als den Wettbewerb für beendet zu erklären und die Siegerehrung durchzuführen.

Es gab jede Menge Hände schütteln, Urkunden und  Pokale. Letztendlich heißt der alte und neue Sieger der 20. Internationalen Deutschen Meisterschaft Gernot Bruckmann, gefolgt von Patrik Georg und mit gerade mal 10 Punkten Abstand auf Platz 3, Florian Vogelmann. Gernot flog in allen vier Durchgängen einen 1000er. Er hat mit diesem Ergebnis mal wieder seine Souveränität  eindrucksvoll unterstrichen.

Die Klasse Advanced ging bereits zum wiederholten mal an Julius Klaffky, gefolgt von dem Contest-Sieger- Advanced Helmut Hienz und Marcel Rybski auf Platz 3.

Die Veranstaltung wurde abgerundet und beendet mit der Ehrung der Sieger, der Contest-Tour, durch den Tourmanager Christian Rückert.

Nachdem wir unsere Sachen abgebaut, alles verstaut und uns verabschiedet hatten, ich in meinem Akrobus saß und mich auf dem Weg nach Hause befand – der geneigte Leser ahnt es schon, hörte der Regen auf und es kam die Sonne zum Vorschein…

In diesem Sinne, auf eine schöne und erfolgreiche Akrosaison 2018

Michael Müsel

Fotos: Willy Horn, Christoph Fackeldey

Im nächsten modellflieger, dem DMFV Magazin gibt es einen ausführlichen Jahresrückblick 2017 mit News und vielen Hintergrundinformationen sowie Modellnews und vielen unveröffentlichten Fotos.